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Therapie des Hodgkin Lymphoms

Im Gegensatz zu vielen anderen bösartigen Tumoren reagiert das Hodgkin Lymphome sehr empfindlich sowohl auf Strahlen- als auch auf Chemotherapie. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Mehrzahl der Patienten durch den angemessenen Einsatz dieser Therapieverfahren geheilt werden kann.

Zumeist werden heute beide Therapieverfahren (Chemo- und Strahlentherapie) miteinander kombiniert, wobei zunächst eine Chemotherapie und im Anschluss daran eine Strahlentherapie durchgeführt wird. Chirurgische Maßnahmen, also die operative Entfernung des Tumors, werden nur im Rahmen der Diagnosestellung (Lymphknotenentnahme) eingesetzt. Eine heilende Wirkung haben sie nicht.

Die Therapie des Hodgkin Lymphoms sollte ohne größeren Verzug nach der Diagnosestellung beginnen, um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die Chemotherapie sollte nur von erfahrenen Ärzten in spezialisierten Kliniken oder Praxen (mit hämato-onkologischem Schwerpunkt) durchgeführt werden. Die Bestrahlung beim Hodgkin Lymphom ist technisch sehr anspruchsvoll und sollte ebenfalls nur an strahlentherapeutischen Zentren mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden. Beide Therapien können oft ambulant durchgeführt werden, so dass ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus häufig nicht notwendig ist.

Chemotherapie

Die Chemotherapie beim Hodgkin Lymphom besteht aus verschiedenen Medikamenten, die entweder zellschädigend (zytotoxisch) oder wachstums-hemmend wirken und als Zytostatika bezeichnet werden. In der Regel werden verschiedene Zytostatika miteinander kombiniert (sog. Polychemotherapie). Nach international anerkannten Therapieprotokollen werden die Zytostatika in einer bestimmten Dosierung und zeitlichen Abfolge verabreicht (Zyklus).

In Deutschland kommen heute vor allem das sogenannte ABVD-Schema und das BEACOPP-Schema zur Anwendung. Jeder Buchstabe im Schema-Namen steht für ein bestimmtes Zytostatikum. Die Schemata werden solange wiederholt, bis eine festgelegte Zykluszahl erreicht ist. Im Anschluss an die Chemotherapie wird - falls notwendig - eine Strahlentherapie durchgeführt. Welches Therapieschema zur Anwendung kommt und in welcher Zykluszahl, hängt jeweils vom Stadium der Erkrankung ab.

In den fortgeschrittenen Stadien (Stadium IIB mit Risikofaktoren Extranodalbefall und/oder großem Mediastinaltumor, Stadien III und IV) werden in der Regel acht Zyklen Chemotherapie gegeben. Das entspricht etwa einer Therapiedauer von sechs bis sieben Monaten. Der Standard der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe (GHSG) zur Behandlung von Hodgkin-Patienten bis 60 Jahre in fortgeschrittenen Stadien außerhalb von Studien ist zur Zeit 8 x BEACOPPeskaliert (Version des BEACOPP-Schemas mit gesteigerter Dosis) plus eine anschließende Strahlentherapie (30 Gy IF, Erklärung siehe unten) auf verbliebenes Restgewebe ≥ 1,5 cm. Aktuelle Studie: HD18

Für Patienten in fortgeschrittenen Stadien, die älter als 60 Jahre sind, ist der derzeitige Standard außerhalb von Studien die Gabe von 6 – 8 Zyklen des ABVD- Schemas, je nach Ansprechen und Nebenwirkung. Aktuelle Studie: PVAG (geschlossen)

Bei den frühen Erkrankungsstadien (Stadium I und II ohne Risikofaktoren) werden in der Regel außerhalb von Studien zwei Zyklen Chemotherapie (ABVD) gefolgt von einer Bestrahlung (30 Gy – IF) empfohlen. Aktuelle Studie: HD13

Bei den mittleren (intermediären) Stadien (Stadium I und IIA mit einem oder mehr Risikofaktoren bzw. IIB nur mit Risikofaktor hohe BSG und/oder mit drei oder mehr befallenen Lymphknotenarealen) werden außerhalb von Studien vier Zyklen Chemotherapie (2 x BEACOPPeskaliert + 2 x ABVD) gefolgt von einer Bestrahlung (30 Gy – IF) empfohlen. Aktuelle Studie: HD14

 Ann-Arbor-Stadium
IA, IB, IIAIIBIIIAIIIB, IV
Risiko-
faktoren
keineFrühes Stadium

Studie:  HD16

oder

2 x ABVD + 30 Gy IF

 
≥ 3 LK-Areale
Mittleres Stadium

Studie:  HD14

2 x BEACOPPeskaliert + 2 x ABVD + 30 Gy IF


Fortgeschrittenes Stadium

Studie:  HD18 (18 – 60 Jahre)

oder

8 x BEACOPPesk. + RT-Rest ≥ 1,5cm

oder

6-8 x ABVD + RT-Rest ≥ 1,5cm

(bei Pat. > 60 Jahre)

hohe BSG
großer MT  
E-Befall

Eine Ausnahme stellt das "noduläre lymphozyten-prädominante Hodgkin Lymphom" im lokal begrenzten Stadium IA dar. Diese Lymphome verlaufen so "gutartig" (gute Prognose), dass in ihrem Fall eine alleinige Bestrahlung (30 Gy IF, siehe unten) ohne vorhergehende Chemotherapie gewählt werden kann. In Studien wurde auch ein möglicher Einsatz des Antikörpers Rituximab, der sich bereits in der Behandlung von Non-Hodgkin-Lymophomen bewährt hat, an Stelle einer Bestrahlung geprüft. Diese Studien werden in Kürze ausgewertet werden.

Therapie des Rückfalls (Rezidivtherapie)

Kommt es während der Therapie oder innerhalb der ersten drei Monate nach Therapie zu einer Ausbreitung der Erkrankung, wird von einem Progress gesprochen. Hier wird der Einsatz einer Hochdosischemotherapie mit anschließender autologer (körpereigener) Stammzelltransplantation (Rückgabe von Stammzellen des Patienten , siehe unten) notwendig.

Von einem sogenannten Frührezidiv ist die Rede, wenn zwar mehr als drei Monate seit Ende der Therapie vergangen sind, es aber weniger als ein Jahr gedauert hat, bis ein erneutes Hodgkin Lymphom histologisch gesichert wurde. Auch hier kommt in den meisten Fällen eine Hochdosischemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation zum Einsatz.

Liegt ein sogenanntes Spätrezidiv vor, liegt also das Ende der Behandlung länger als ein Jahr zurück, gibt es verschiedene Optionen. Entscheidend für die Therapie ist in diesem Fall , wie weit sich das Lymphom aktuell ausgebreitet hat, welche Therapien der Patient bereits erhalten hat, welcher histologische Typ vorliegt und wie alt der Patient ist.

In bestimmten Fällen kann eine alleinige Bestrahlung genügen, in anderen eine starke Chemotherapie wie BEACOPPeskaliert. In allen anderen Fällen muss auch hier die Hochdosistherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation durchgeführt werden. Zur Verringerung der Tumormasse wird heute vor einer Hochdosistherapie außerhalb von Studien die Gabe von zwei Zyklen Chemotherapie nach dem DHAP-Schema empfohlen. Zwischen den Zyklen werden körpereigene Stammzellen gesammelt. Darauf folgt die eine sogenannte Hochdosistherapie (z.B. BEAM) und im Anschluss die Rückgabe der Stammzellen. Die Hochdosistherapie beeinträchtigt das Knochenmark so stark, dass ohne die Rückgabe der körpereigenen Stammzellen für einen sehr langen Zeitraum keine eigenen Leukozyten (Abwehrzellen), Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Thrombozyten (Blutplättchen) gebildet werden könnten.

Wenn ein Hodgkin Lymphom auf keine Therapie anspricht oder mehrfach wiederkehrt, sollte je nach Alter und Gesundheitszustand über die Gabe von körperfremden Stammzellen nachgedacht werden (allogene Stammzelltransplantation). Dies ist jedoch beim Hodgkin Lymphom noch immer ein experimentelles Verfahren. Kommt die allogene Stammzelltransplantation nicht in Frage, können milde Chemotherapien angewendet werden, die die Erkrankung am Fortschreiten hindern oder sie zurück- drängen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Eine Heilung kann durch diese milden Chemotherapien aber nicht mehr erreicht werden.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine lokal begrenzte Behandlung und findet heutzutage fast ausschließlich als Ergänzung zur Chemotherapie statt. Idealerweise wird der Tumor im Bestrahlungsfeld radikal vernichtet, das umliegende gesunde Gewebe aber möglichst geschont. Dies gelingt nur, wenn die Strahlenempfindlichkeit des Tumorgewebes im Vergleich zu den gesunden Geweben entsprechend groß ist. Dies ist beim Hodgkin Lymphom der Fall. Technische Voraussetzung ist die Einstrahlung von Energien im Megavolt-Bereich mit Linearbeschleunigern. Mit dieser Technik lassen sich Tumore in jeder Tiefe des Körpers mit hohen Strahlendosen angehen, ohne das gesunde Gewebe stärker zu schädigen. Die Stärke der Bestrahlung wird in Gray (Gy), dem Maß für die pro Gewichtsvolumen absorbierte Energiemenge angegeben.

Die früher praktizierte alleinige Bestrahlung (ohne vorhergehende Chemo-therapie) von Hodgkin-Patienten in den frühen Stadien wird heute in der Regel nicht mehr durchgeführt. Eine Ausnahme stellt das noduläre lymphozyten-prädominante Hodgkin Lymphom im Stadium IA dar (siehe oben).

Die Fortschritte auf dem Gebiet der Behandlung der Hodgkin Lymphome haben auch dazu geführt, dass die Bestrahlungsfelder heutzutage wesentlich kleiner gewählt werden können. Früher wurden sogenannte Großfelder unter Einschluss der Lymphom-Tumore und aller angrenzenden Lymphknotenregionen bestrahlt (EF = "extended field")

Abbildung I

Radiotherapie (RT)-Volumen eines Patienten mit HL im Stadium I: Befall links zervikal. (I) Typisches Extended Field RT-Volumen (Mantelfeld plus Paraaortalregion, Milz und Milzhilus)


Heute werden im Anschluss an die Chemotherapie nur noch sehr begrenzte Felder bestrahlt. Man spricht von einer Bestrahlung des betroffenen bzw. "involvierten" Gewebes ("involved field" Radiotherapie).

Abbildung II

Für den gleichen Patienten schließt das Involved Field RT-Volumen lediglich die gesamte linke Halsseite ein (hochzervikale, zervikale, supra- und infraklavikuläre Lymphknoten) ein.

Die Standard-Strahlendosis in der GHSG ist heute 30 Gray. Bei einer täglichen Bestrahlung mit Einzeldosen von 1,8 - 2,0 Gray fünfmal pro Woche ergibt sich eine Behandlungsdauer von etwa 2 - 4 Wochen. In der jetzigen Studiengeneration (HD13-15) der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) wird in den frühen und intermediären Stadien eine "involved field" Radiotherapie (IF-RT) mit einer Gesamtstrahlendosis von 30 Gray durchgeführt. In den fortgeschrittenen Stadien hängt die Bestrahlung vom Ergebnis einer Untersuchung mit dem Positronen-Emissions-Tomographen (PET) ab: Die Bestrahlung (auf Restgewebe mit Durchmesser ≥ 2,5 cm) erfolgt nur, wenn das PET einen positiven Befund des Restgewebes zeigt.

 

News


Das 8. Internationale Hodgkin-Symposium wird vom 23.-26.10.2010 im Kölner Gürzenich statt-finden



Die AVD-Rev Studie wurde bei älteren Hodgkin Lymphom Patienten im Alter von ≥ 60 bis ≤ 75 Jahre in mittleren und fortgeschrittenen Stadien ohne jegliche Vorbehandlung gestartet



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