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Referenzstrahlentherapie

Referenzstrahlentherapie der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG)


Überblick

Die Strahlentherapie ist eine etablierte Behandlungsmodalität bei malignen Lymphomen. Sie erfordert allerdings einen hohen technischen Standard und große Erfahrung in der Planung und Durchführung. Um die Qualität der Strahlentherapie bei Patienten mit Hodgkin Lymphomen zu sichern, hat die GHSG ein strahlentherapeutische Referenzzentrum eingerichtet. Für jeden Studienpatienten wird in der Regel ein individueller Bestrahlungsvorschlag erstellt und die Durchführung der Bestrahlung im Verlauf kontrolliert.

Seit Beginn der vierten Studiengeneration der GHSG (HD10-12) wird die Referenzstrahlentherapie in Köln unter der Leitung von Prof. Dr. R.-P Müller und PD Dr. H.T. Eich betreut. Hier werden für die frühen und intermediären Stadien prospektive Bestrahlungspläne erstellt und für Patienten im fortgeschrittenen Stadium (HD12) wurde ein interdisziplinäres Expertenpanel gegründet. Darüber hinaus werden Qualitätsbeurteilungen der durchgeführten Radiotherapie von einem Expertenpanel unter der Leitung der Klinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln vorgenommen.

Im Januar 2002 wurde die fünfte Studiengeneration der GHSG (HD13-15) initiiert. In den Studien für frühe Stadien HD13 und HD14 wird, wie auch in den Vorgängerstudien HD10 und HD 11, das Konzept der kombinierten Therapie mit Chemotherapie und nachfolgender Involved Field Radiotherapie verglichen. Primäre Fragestellungen in den Studien HD13 und HD14 betreffen die Wahl der optimalen Chemotherapie. Während in den Studien HD10 und HD11 zwischen einer Involved Field-Radiotherapie mit 20 versus 30 Gy randomisiert wurde, ist in den Studien HD13 und HD14 eine Involved Field-Bestrahlung mit 30 Gy Standard in allen Therapiearmen.

Die Strahlentherapie beim Hodgkin Lymphom setzt ein bildgebend belegtes, qualitativ hochwertiges Staging voraus, um eine optimale Bestrahlungsplanung zu gewährleisten. Wie auch schon in der vierten Studiengeneration sind die Studienzentren aufgefordert, vor Beginn der Therapie die gesamte Schnittbilddiagnostik an die Referenzstrahlentherapie nach Köln zu schicken.Hier werden die Bilder beurteilt, die Studienzugehörigkeit geprüft und ein individueller Bestrahlungsvorschlag erstellt.Nach Abschluss der Strahlentherapie werden die Bestrahlungspläne, Simulations- und Feldkontrollaufnahmen ebenfalls an die Referenzstrahlentherapie Köln gesandt. Ein Expertenpanel analysiert retrospektiv die Qualität der durchgeführten Involved Field-Radiotherapie im Hinblick auf die vollständige Erfassung des empfohlenen Bestrahlungsvolumens, applizierte Strahlendosis, Gesamtbehandlungszeit sowie technische Bestrahlungsparameter.

In den fortgeschrittenen Stadien (HD12) erhielten alle Patienten eine Polychemotherapie mit BEACOPP in unterschiedlicher Intensität. Zur Klärung der Frage, ob nach dieser intensiven Vorbehandlung noch eine additive Radiotherapie erforderlich ist, schloss sich für einen Teil der Patienten eine Radiotherapie mit 30 Gy (initiale Bulktumorregion und/oder Resttumorregion) an, die übrigen Patienten wurden nicht bestrahlt. Um Patienten mit schlechtem Therapieansprechen zu erfassen, wurde die gesamte Bildgebung der Patienten nach Abschluss der Chemotherapie an die Referenzstrahlentherapie geschickt und von einem interdisziplinären Expertenpanel, bestehend aus einem Radioonkologen, einem diagnostischen Radiologen und einem internistischen Onkologen, begutachtet. Patienten mit großem Resttumor oder einer Knochenmanifestation in einer stablitätstragenden Region wurden auch unabhängig von der Randomisation einer Strahlentherapie zugeführt.

In der HD15-Studie (fortgeschrittene Stadien) wird, wie auch in der Vorgängerstudie, die gesamte Schnittbilddiagnostik durch ein interdisziplinäres Expertenpanel beurteilt. Patienten mit einem Resttumor ? 2,5 cm erhalten ein FDG-PET. Es werden in HD15 nur Patienten mit PET-positivem Resttumor additiv bestrahlt. Patienten mit PET-negativem Resttumor werden lediglich nachbeobachtet. Durch dieses Prozedere wird der negativ prädiktive Wert der FDG-PET evaluiert.

Derzeit wird seitens der GHSG an der nächsten Studiengeneration (HD16-HD18) gearbeitet.


Aufgaben der Referenzstrahlentherapie

  1. Zweitbeurteilung der initialen Diagnostik für die frühen und intermediären Stadien und anschließend prospektive Erstellung eines Bestrahlungsvorschlags.
  2. Beratung der Strahlentherapeutischen Kliniken und Praxen bei der Bestrahlungsplanung und -durchführung.
  3. Retrospektive Beurteilung der durchgeführten Strahlenbehandlung anhand der eingesandten Bestrahlungspläne, Simulations- und Feldkontrollaufnahmen.
  4. Teilnahme am PET-Panel (HD15) für die fortgeschrittenen Stadien. Für Patienten mit Resttumoren und positiven PET-Befunden ist eine additive Radiotherapie vorgesehen. In diesen Fällen wird ein Bestrahlungsvorschlag erstellt.
  5. Entwicklung nationaler und internationaler Standards zur Ausdehnung der Bestrahlungsvolumina auf der Basis anatomischer Strukturen oder Lymphknotenregionen.
  6. Organisation und Leitung von jährlichen Workshops für die an den Studien teilnehmenden Strahlentherapeuten, um langfristig die Qualität der Radiotherapie des Hodgkin Lymphoms zu optimieren.
  7. Projektleitung des Teilprojektes „Strahlentherapie“ im Rahmen des vom BMBF geförderten Kompetenznetzes Maligne Lymphome.

Mitarbeiter

Prof. Dr. R.-P. Müller
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

PD Dr. H.T. Eich
Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

Dr. Ch. Zimmermann
wiss. Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

Dr. J. Kriz
wiss. Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

C. Baues
wiss. Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

Radiotherapeutisches Experten-Panel

Prof. Dr. R.-P. Müller
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

PD Dr. H.T. Eich
Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität zu Köln

Frau Prof. Dr. R. Engenhart-Cabillic
Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität Marburg-Giessen

Prof. Dr. P. Lukas
Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität Innsbruck

Prof. Dr. H. Schmidberger
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie der Universität Mainz

Frau PD Dr. S. Staar
Direktorin der Klinik und Praxisgemeinschaft für Strahlentherapie am Klinikum Bremen-Mitte

Prof. Dr. N. Willich
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie-Radioonkologie der Universität Münster


Literatur


  • Literaturübersicht der Strahlentherapie
 

News


Das 8. Internationale Hodgkin-Symposium wird vom 23.-26.10.2010 im Kölner Gürzenich statt-finden



Die AVD-Rev Studie wurde bei älteren Hodgkin Lymphom Patienten im Alter von ≥ 60 bis ≤ 75 Jahre in mittleren und fortgeschrittenen Stadien ohne jegliche Vorbehandlung gestartet



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