Histologie Für die genaue Einteilung von Hodgkin Lymphomen nach dem Standard der GHSG sind die feingewebliche Untersuchung des Tumorgewebes (Histologie), die Erfassung der Ausbreitung des Tumors im Körper (Stadium) sowie das Vorliegen von speziellen Risikofaktoren (siehe unten) entscheidend. So kann in frühe, mittlere und fortgeschrittene Stadien eingeteilt und die spätere Therapie bestimmt werden. Feingeweblicher Aufbau der Tumorzellen (Histologie) Die neoplastischen Zellen des Hodgkin Lymphoms, die Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen und deren Varianten, sind durch eine typische Morphologie (Erscheinungsbild) gekennzeichnet. Das Infiltrat des Hodgkin Lymphoms enthält nur wenige dieser Zellen (ca. 1 Prozent), hingegen zahlreiche nicht maligne Zellen wie T- und B-Lymphozyten, Makrophagen (Fresszellen) und eosinophile Granulozyten (Abwehrzellen). Anhand einer Gewebeuntersuchung kann die Diagnose gestellt und eine feingewebliche (histologische) Unterteilung der Hodgkin Lymphome vorgenommen werden.
Man unterscheidet nach der WHO-Klassifikation grundsätzlich zwei Typen: - Das klassische Hodgkin Lymphom (ca. 95 Prozent der Fälle)
- Das noduläre lymphozyten-prädominante Hodgkin Lymphom (ca. 5 Prozent der Fälle),
welches als eigenständige Krankheit angesehen wird. Das klassische Hodgkin Lymphom wird noch einmal in vier histologische Subtypen unterteilt. Diese sind - nodulär-sklerosierender Typ (65% der Fälle)
- Mischtyp (25% der Fälle)
- lymphozytenreiches klassisches Hodgkin Lymphom (4% der Fälle)
- lymphozytenarmes klassisches Hodgkin Lymphom (1% der Fälle)
Die feingewebelichen Subtypen des klassischen Hodgkin Lymphoms haben heutzutage keinen Einfluss mehr auf die Wahl der Therapie. Erwähnenswert bleibt aber, dass das "noduläre lymphozyten-prädominante Hodgkin Lymphom" im Stadium IA (nur eine Lymphknotenregion befallen; siehe unten) einen so günstigen Verlauf hat, dass hier im Unterschied zu anderen Typen im Stadium I eine sehr viel mildere Behandlung gewählt werden kann. Diagnostik Anamnese Unter Anamnese versteht man die Erfragung der Krankengeschichte. Der Patient wird über Art, Beginn und Verlauf seiner aktuellen Beschwerden befragt. Darüber hinaus wird nach den Lebensumständen und Vorerkrankungen des Patienten gefragt, um eventuelle Risikofaktoren für die aktuellen Beschwerden aufdecken zu können. Bei Verdacht auf ein malignes Lymphom ist insbesondere die Frage nach dem Bestehen einer B-Symptomatik von großer Bedeutung. Körperliche und labordiagnostische Untersuchung Im Rahmen der körperlichen Untersuchung (Messung von Blutdruck und Puls, Abhören der Lunge usw.) sollte beim Verdacht auf eine Lymphom-Erkrankung besonderer Wert auf die Suche nach tastbar vergrößerten Lymphknotenstationen gelegt werden. Ebenso ist eine manuelle Untersuchung von Leber und Milz von Bedeutung, da diese Organe häufig (mit)befallen und dann vergrößert sind (Hepato-Splenomegalie). Auch die labordiagnostische Untersuchung des Blutes ist im Rahmen der Bestimmung des Stadiums der Erkrankung (Staging) unerlässlich. Lymphknotenbiopsie und Gewebeschnitt (Histologie) Die Entnahme von körpereigenem Gewebe aus einem lebenden Organismus wird als Biopsie bezeichnet. Zur Sicherung der Diagnose eines Lymphoms ist die Entnahme eines vollständigen verdächtigen Lymphknotens erforderlich. Dazu wird ein Lymphknoten ausgewählt, der einfach zugänglich und möglichst groß ist. Meist kann die Biopsie in örtlicher Betäubung erfolgen, jedoch kann bei einem Befall im Brustkorb oder im Bauch eine Vollnarkose notwendig werden. Der Lymphknoten wird anschließend feingeweblich (histologisch) aufgearbeitet, gefärbt und mikroskopisch untersucht. Dabei erkennt der Pathologe typische Merkmale der verschiedenen Erkrankungen, wie etwa die charakteristischen Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen des klassischen Hodgkin Lymphoms. Die Diagnose sollte nach Möglichkeit durch einen Pathologen mit besonderer Erfahrung auf dem Gebiet der Lymphom-Diagnostik (Referenzpathologen) gesichert werden. Innerhalb der Studien der GHSG ist dies Standard. Computertomographie (CT) Die CT ist ein bildgebendes (röntgendiagnostisches) Verfahren, bei dem der menschliche Körper in einem Aufnahmeverfahren Schicht für Schicht durchstrahlt wird. Computer setzen die einzelnen Querschichtaufnahmen zu einem Bild zusammen. So wird die Darstellung der Weichteilstrukturen des Körpers ermöglicht, und es werden minimale Dichteunterschiede z.B. aufgrund von Gewebeveränderungen oder Tumoren entdeckt. Die Aufnahmen werden in einer schnell rotierenden Röntgenröhre mit einem etwa bleistiftstarken Strahlenbündel gemacht. Die CT hat in der radiologischen Diagnostik eine Reihe invasiver (in den Körper eingreifenden) Verfahren weitgehend verdrängt. Sonographie (Ultraschalldiagnostik) Dieses bildgebende Diagnoseverfahren verwendet Ultraschall (1-10 MHz) nach dem Echographie-Prinzip, um die inneren Organe darzustellen und ist Standard in der Lymphom-Diagnostik. Vor allem die Bauchorgane und die Halsweichteile sind durch diese Untersuchung gut zu beurteilen. Man kann durch sie besonders im Fall von Leber und Milz wichtige ergänzende Befunde erheben. Im Gegensatz zum Röntgen oder der CT liegt hier keine Strahlenbelastung vor. Röntgen des Thorax in zwei Ebenen: Auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs lassen sich insbesondere Herz und Lungen beurteilen. Eine ausgedehnte Mitbeteiligung der Lunge, Ergüsse und große Mediastinaltumoren kann man auf der Röntgenaufnahme des Thorax erkennen. Zu einer detaillierteren Erfassung der Tumorausdehnung im Brustkorb ist eine CT notwendig. Dennoch gehört das Röntgen des Thorax zur obligaten Diagnostik, da durch diese Untersuchung bestimmt wird, ob der Risikofaktor „großer Mediastinaltumor“ vorliegt. Knochenmarkpunktion / Knochenmarkbiopsie Mittels einer Spezialkanüle erfolgt eine Punktion (Einstich) des Markraumes platter Knochen (z.B. Brustbein, Beckenkamm). Dies dient der Gewebeentnahme im Rahmen einer Biopsie des Knochens bzw. des Knochenmarks oder zur intraossären (= in den Knochen) Injektion bzw. Transfusion. Skelettszintigraphie Die Szintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, bei dem den Patienten ein radioaktiv markierter Stoff als sogenannter „Tracer“ über die Vene verabreicht wird. Die Wahl des Tracers ist vom zu untersuchenden Organ abhängig. Nach Anreicherung des Tracers im Zielorgan kann dieses aufgrund der radioaktiven Markierung mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden. Je besser das untersuchte Gewebe durchblutet ist (gute Blutversorgung z.B. bei Tumoren und Entzündungen) und je mehr Tracer sich dadurch anreichern kann, desto stärker ist das von der Kamera detektierte Signal. In der Lymphom-Diagnostik hilft die Skelett- oder Knochenmarkszintigraphie, einen Befall des Knochens nachzuweisen oder auszuschließen. Positronen-Emissions-Tomographie (PET) In laufenden Studien wird die Bedeutung der PET für die Lymphomdiagnostik untersucht. Die PET ist, wie auch die CT oder MRT, eine Schnittbilduntersuchung, nur dass hier nicht einzelne Organe, sondern der Stoffwechsel von verschiedenen Geweben des Körpers sichtbar gemacht wird. In der Tumordiagnostik wird dazu typischerweise ein mit sehr gering radioaktivem Fluor markierter Zucker als sogenannter „Tracer“ verwendet. Er wird dem Patienten durch eine Spritze in die Vene verabreicht. Dieser markierte Zucker wird im Körper fast genau wie normaler Zucker umgesetzt, jedoch kann der Verbrauch durch eine spezielle PET-Kamera von außen sichtbar gemacht werden. Zellen mit einem starken Stoffwechsel, wie zum Beispiel Tumorzellen, haben meist einen hohen Zuckerumsatz und geben daher ein starkes Signal im von der PET-Kamera erstellten Bild. Dadurch ist es möglich, Tumorgewebe besser von gesundem Gewebe zu unterscheiden. In Abhängigkeit vom Behandlungskonzept kann die PET bei der initialen Stadieneinteilung, während der Chemotherapie (Therapiemonitoring), nach Abschluss der Chemotherapie (Therapiekontrolle) oder bei begründetem Rezidivverdacht eingesetzt werden. Klinische Studien haben den prognostischen Wert der PET im Therapiemonitoring und in der Therapiekontrolle gezeigt. Die Verringerung oder die Intensivierung der Behandlung aufgrund des Therapiemonitorings mittels PET ("Individualisierung der Behandlung") ist Gegenstand laufender Studien der GHSG.
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